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Körperschaftsteuer in Georgien

CIT · WHT · SPV · CIT in Georgia · Estnisches Steuermodell Georgien · Gewinnsteuer Georgien

Level: intermediate· 5 min read· Updated 2026-07-22

Definition

Die Körperschaftsteuer in Georgien (CIT) basiert seit 2017 auf dem 'Estnischen Modell'. Hierbei unterliegen Unternehmensgewinne erst dann einer Besteuerung von 15 %, wenn sie an Gesellschafter ausgeschüttet werden. Reinvestierte Gewinne bleiben steuerfrei. Dies fördert die Kapitalbildung und Liquidität von Unternehmen, insbesondere in der Immobilienentwicklung und im Dienstleistungssektor, solange das Kapital im Unternehmen verbleibt.

In detail

Das Prinzip der aufgeschobenen Besteuerung

Georgien hat eines der liberalsten Steuersysteme weltweit implementiert. Die Körperschaftsteuer (Corporate Income Tax) beträgt pauschal 15 %, wird jedoch nach dem sogenannten Estnischen Modell berechnet. Das bedeutet, dass die Steuerpflicht nicht bereits bei der Erzielung des Gewinns entsteht, sondern erst im Moment der Gewinnausschüttung (Dividendenzahlung) an die Anteilseigner.

Steuerpflichtige Tatbestände

Neben der klassischen Dividendenauszahlung gelten bestimmte Transaktionen als 'fiktive Gewinnausschüttungen' und lösen ebenfalls die 15 % CIT aus:

  • Nicht geschäftsmäßige Ausgaben: Kosten, die nicht in direktem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Tätigkeit stehen.
  • Unentgeltliche Lieferungen/Leistungen: Schenkungen oder Dienstleistungen ohne Gegenleistung oberhalb gesetzlicher Grenzen.
  • Drittvergleichsprüfung (Transfer Pricing): Geschäfte mit verbundenen Parteien zu Preisen, die nicht dem Marktwert entsprechen.
  • Repräsentationskosten: Ausgaben, die bestimmte Schwellenwerte übersteigen.

Quellensteuer und Gesamteffektivbelastung

Bei der Ausschüttung an natürliche Personen oder ausländische juristische Personen fällt zusätzlich eine Quellensteuer (Withholding Tax) von 5 % an. Es ist wichtig zu verstehen, dass die 15 % CIT auf den Bruttobetrag der Ausschüttung berechnet wird ($15/85$-Formel), was zu einer effektiven Steuerlast von ca. 17,65 % auf den Nettobetrag führt, bevor die Quellensteuer abgezogen wird.

Ausnahmen und Sonderzonen

Georgien bietet spezielle Steuerregime an:

1. Virtual Zone Status: Unternehmen im IT-Sektor, die Software für Kunden außerhalb Georgiens entwickeln, können von der Körperschaftsteuer auf exportierte Dienstleistungen befreit werden.

2. Free Industrial Zones (FIZ): In diesen Zonen produzierte und exportierte Waren sind von der CIT befreit.

3. International Company Status: Für bestimmte Unternehmen in den Bereichen IT und Schifffahrt kann die CIT auf bis zu 5 % gesenkt werden.

Georgian context

Im Kontext des georgischen Immobilienmarktes ist dieses System besonders für Bauträger und Langzeitinvestoren attraktiv. Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien können steuerfrei in neue Projekte innerhalb derselben juristischen Person reinvestiert werden. Wichtig für ausländische Investoren: Georgien erhebt auf Bauleistungen und Verkäufe durch Bauträger eine Mehrwertsteuer von 18 %, die im Preis enthalten sein muss. Die CIT-Vorteile greifen primär auf der Ebene der operativen Gewinnverwendung, nicht auf der Transaktionsebene der Immobilie selbst.

Real example

Eine georgische GmbH (LLC) erzielt im Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 100.000 USD. Das Unternehmen entscheidet sich, 60.000 USD zu reinvestieren, um eine neue Gewerbeimmobilie in Tiflis zu erwerben. Auf diesen reinvestierten Betrag fällt keine Körperschaftsteuer an. Die restlichen 40.000 USD sollen als Dividende an den deutschen Gesellschafter ausgeschüttet werden. Das Unternehmen zahlt 15 % CIT auf die Ausschüttungsbasis (40.000 / 0,85 * 0,15 = ca. 7.058 USD) sowie 5 % Quellensteuer (2.000 USD). Die Steuerlast tritt erst zum Zeitpunkt der Überweisung ein.

Common mistakes

  • ×Annahme, dass Gewinne nach dem Jahresabschluss automatisch versteuert werden müssen.
  • ×Verwechslung der Körperschaftsteuer mit der Grunderwerbsteuer (die es in Georgien nicht gibt).
  • ×Nichtbeachtung der 5 % Quellensteuer bei der Kalkulation der Nettorendite.
  • ×Fehlende Dokumentation von Geschäftsausgaben, was zu fiktiven Ausschüttungen führt.

Frequently asked questions

Wann muss die Körperschaftsteuer in Georgien gemeldet werden?

Die Meldung und Zahlung der Körperschaftsteuer erfolgt in Georgien monatlich. Jeweils bis zum 15. des Folgemonats müssen Ausschüttungen oder steuerrelevante Ausgaben deklariert werden. Gibt es keine Ausschüttungen oder nicht betriebliche Ausgaben, fällt keine CIT an.

Gibt es Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung?

Ja, Georgien hat Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit über 50 Staaten, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Diese Abkommen regeln, wie die in Georgien gezahlte Quellensteuer auf die Einkommensteuer im Heimatland des Investors angerechnet werden kann.

Gilt das estnische Modell auch für Banken?

Nein. Seit 2023 unterliegen kommerzielle Banken, Versicherer und Mikrofinanzorganisationen einem Übergangsregime mit einem höheren Steuersatz (20 %) und einer Besteuerung nach dem klassischen Modell (jährlich auf den erzielten Gewinn).

Ist die Reinvestition an Immobilien gebunden?

Nein, das Kapital kann für jeden legitimen Geschäftszweck innerhalb der georgischen Firma verwendet werden. Dies schließt den Kauf von Anlagevermögen, Gehaltszahlungen oder Marketing ein. Steuerpflichtig wird es erst, wenn Kapital den Unternehmenskreislauf in Richtung Gesellschafter verlässt.

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